Der Ansitz Rönsberg bei Schlins

Unterhalb des Weilers Röns der Gemeinde Schlins nordwestlich vom Kirchdorf steht der alte Ansitz Rönsberg (Rönsperg), derzeit nach einem später vorgenommenen Umbau ein stattlicher Bauernhof. Zum Adelssitz, den in der Hauptsache das Herrenhaus mit einer Schlosskapelle bildete, gehörten vordem viele Liegenschaften, Äcker, Weiden und Weinberge.

 

Schleh in seiner Emserchronik von 1616 bezeichnet das Schlösschen als „ein gemauert Haus und Sitz“. Dessen Anfänge dürften schon in das Ende des 15. Jahrhunderts hinausreichen, nur die Kapelle wurde später, etwa um 1557, dazu gebaut.

 

1497 ist vom Ansitz zum ersten Mal urkundlich die Rede, in dem Jakob Wittenbach, zuerst erzfürstlicher Hubmeister zu Feldkirch, dann 1491-1500 Vogt der Herrschaften  Bludenz und Sonnenberg und Pfandinhaber der Herrschaft Jagdberg, und dann wieder um 1505 Hubmeister, unter dem 23. September 1497 sich Wittenbach „von Rönnsberg“ nennt.

 

Sonach gehörte der Ansitz dem Wittenbach und dürfte er sogar wahrscheinlich dessen Erbauer gewesen sein. Das Geschlecht der Wittenbach, das aus der Nähe von St. Gallen stammen soll und im Badischen und in der Steiermark annoch in freiherrlichem Stande blüht.

 

Um die Mitte des 16. Jahrhundert saßen auf dem Ansitz Rönsberg die Altmannshausen, die von 1555 bis in den Beginn des 17. Jahrhunderts die Pfandschaft Jagdberg innehatten. Dieses schwäbischen Geschlechte hatte  außer Jagdberg und unser Rönsberg hierzulande auch zeitweilig St. Jegenberg-Sulz inne. Achilles von Altmannshausen, Hubmeister zu Feldkirch (gestorben auf der Heimreise von seiner Wallfahrt nach Jerusalem am 11. Oktober 1560 auf dem Meere, eine Tagreise hinter der Insel Randia), ließ die Schlosskapelle auf Rönsberg am 31. Oktober 1557 zu Ehren der hl. Magdalena von Abt Joachim Eichhorn von Einsiedeln mit Erlaubnis des Papstes Paul III. und mit Zustimmung des Churer Bischofs Thomas Planta einweihen. Wahrscheinlich war die Kapelle erst kurz vorher durch den religiös gesinnten Besitzer des Schlösschens erbaut worden.

 

Bereits im Jahre 1560 muss sich Rönsberg im Besitz eines Edlen von Schlandersberg befunden haben. Von diesem Geschlecht war in Beschreibung von Burg Sigberg ausführlicher die Rede. Am 12. November nämlich des genannten Jahres kommt ein Hans Ulrich von Schlanderberg zu Rönsberg  nebst einem andern Edlen, Hannibal von Zinzendorf, Erb-Jägermeister in Österreich, beide Erben nach Hans von Embs zur Hohen-Embs, als Käufer von Rebwachszinsen im Oberdorf zu Dornbirn vor. Die Ritter von Schlandersberg hatten hierzulande von Ende des 15. bis Ende des 16. Jahrhunderts die Burg Sigberg bei Göfis im Besitz; außerdem besaß dies reich begüterte Geschlecht Hausgüter in Nenzing, in Ludesch, Ludescherberg und Nüziders. Mit dem vorhin genannten Hans Ulrich starb es noch vor 1459 im Mannesstamme aus.

 

Well also die von Schönaus-Ronsberg als Besitzer unseres Edelsitzes Rönsberg aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in Betracht kommen, so ist umso mehr der von Grabherr kaum beachteten Angabe M.-Merkle’s, der sich sicher auf Schlehens Emser Chronik stützt, beizupflichten, dass auf Rönsperg am Anfang des 17. Jahrhunderts die Herren von Gastelmaur  (Gastelmur)  saßen, und zwar als Nachfolger der Familie von Schlandersberg. Schleh sagt ausdrücklich, dass das „gemauert Haus und Sitz derzeit (1616) denen von Gastelmaur zugehörig“ sei.

 

Denen von Gastelmur dürften noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Herren Stain gefolgt sein. Wahrscheinlich kam die Familie Stain bereits in den 1630er Jahren in den Besitz des Schlösschens. Denn schon aus dieser Zeit datieren Stiftungen der Herren von Stein in die Pfarrkirche von Schlins,  was wohl auf eine nähere örtliche Beziehung der Stifter zu dieser Kirche schließen lässt.

 

Von dem hierzulande ansäßigen Geschlechte der Stein begegnet uns erstmals Ulrich Stein,  Säckelmeister zu Feldkirch. Dieser stiftete mit seiner Gemahlin Elisabeth Widnauer 1634 bei der Schlinser Pfarrkirche einen Jahrtag. Wahrscheinlich hatte schon er das Schlösschen Rönsberg an seine Familie gebracht, nicht erst sein Sohn Michael, wie Weizenegger-Merkle auf Grund seines Prädikates „Stein von Rönsperg“ anzunehmen scheinen.

 

Im Jahre 1685 war laut Prugger Michael Stein von Rönsberg, „Baumeister“ und Ratsherr von Feldkirch, wahrscheinlich der jüngste Sohn des mehrgenannten Säckelmeisters Ulrich, Besitzer unseres Schlösschens. Das Anwesen bezeichnet Prugger als „ein schönes Ort, mit Gütern, Wein- und Obstwuchs bestens versehen“.

 

Die Familie Stein verkaufte ihren Edelsitz im Jahre 1695 an einen gewissen Franz Heinrich Baumhauer,  wahrscheinlich schwäbischen Geschlechtes. Ein Mönch Georg Baumhauer war Kloster-Historiograph in Ottobeuren um 1600. Franz Heinrich  und sein Nachfolger Gottfried Baumhauer lebten in fortwährendem Streit mit dem Pfarrer von Schlins und dem Churer Bischof wegen der Schlosskapelle und deren Messenstiftung.

 

Die Zugehörigkeit dieser Wappenbilder konnte bislang noch nicht festgestellt werden: Vermutlich die drei fallenden Bäume - Familie Baumhauer

 

Etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts ging der Ansitz Rönsberg von dieser Familie in das Eigentum der PP. Jesuiten in Feldkirch über, die sich die Persolvierung der Stein’schen Wochenmessen in der Schlosskapelle angelegen sein ließen. Nach Aufhebung des Jesuitenordens und des Kollegs in Feldkirch 1773 wurde Rönsberg verkauft, die Kapelle, aber nicht auch das Schlösschen abgebrochen und das vorerwähnte Stiftungskapital von 400 fl. der Schlinser Schule übergeben mit der Verpflichtung, durch den Pfarrer jährlich 12 hl. Messen lesen zu lassen.

 

In der Folge kam das Schlösschen in bäuerlichen Besitz. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts besaß es ein gewisser Bertsch; um das Jahr 1849 gehörte es dem Johann Michael Mähr, unter dem möglicherweise die heute ersichtliche bauliche Umgestaltung des Hauses erfolgte. Von dessen Sohn ging das Anwesen 1903 auf Andreas Jussel von Schlins über, von dem es schon 1904 Josef Sonderegger aus Weiler (gest. im Mai 1929) kaufsweise erwarb. Der neue Besitzer setzte das stark vernachlässigte Gebäude in Stand; auch gelang es ihm, die Ertragsfähigkeit der Grundstücke bedeutend zu heben. Vor einigen Jahren übergab er den schönen Besitz seinem ältesten Sohn Engelbert.

 

 

Engelbert Sonderegger, Schlins

 

Ein mutmaßliches Bild vom früheren Aussehen des Schlösschens Rönsberg hat sich auf dem schon früher besprochenen Epitaph derer von Altmannshausen in der Kapelle Frommengärsch erhalten. Wenigstens bezeichnet die Tradition den auf der linken Tafelseite (Votivgedächtnis des Joseph v. Altmannshausen) ersichtlichen Schlossbau als den Ansitz Rönsberg. Dieser Meinung dürfte auch Recht geben eine andere alte, noch vorhandene Abbildung unseres Schlösschens, nämlich jene auf dem Votivbild im Bildstock von 1652 am Wege von Schlins nach Röns. Hier finden wir den Ansitz Rönsberg gleichzeitig mit Schloss Jagdberg dargestellt und ein Vergleich der Darstellungen auf dem Bildstock und auf dem Frommengärscher Epitaph lässt wenigsten eine wesentliche Übereinstimmung im architektonischen Gesamteindruck der auf beiden Bildern dargestellten Schlossbauten erkennen (hochragender, unbewehrter, erkergeschmückter Palas und Giebelbedachung über jedem der beiden äußeren Bautrakte). Die Darstellung auf dem Bildstock hat allerdings die größere Glaubwürdigkeit für sich und scheint jene auf dem Epitaph mehr schematisch behandelt zu sein. Auf letzterem ersehen wir einen hohen schmalen Palas; die von kleinen Fenstern durchbrochenen Mauerflächen erscheinen mit Wappen bemalt; Satteldächer decken die turmartig über den Mittelbau sich erhebenden Seitenteile; der stolze Bau ist von sechsseitigen Erkern mit Zwiebeldächern flankiert, in der etwas tiefer stehenden und in einigem Abstand vom Schloss dargestellten Kirche dürften wir wohl die Schlinser Pfarrkirche zu sehen haben. Auf der Darstellung im Bildstock erscheint seitwärts des Hauptgebäudes ein Torbau sowie ein Nebengebäude abgebildet.

 

Der heutige Rönsberg-Hof hat im wesentlichen den Charakter des alten Edelsitzes noch bewahrt trotz späterer baulicher Veränderungen: die Erker sind verschwunden, die Dachform und überhaupt die oberen Partien des Baues sind im Vergleich zum früheren Zustand auf dem Votivbild stark verändert. Vermutlich hat eine teilweise Brandkatastrophe den Anlass zur baulichen Umgestaltung, wie sie uns heute entgegentritt, geboten. Der Standort der einstigen Kapelle an der Westseite des Hauses ist noch an dem unter dem Gras zutage tretenden Pflasterboden erkennbar. Das Mauerwerk des Gebäudes mit hohen Wänden ist massiv. Das Kellergewölbe hat eine Dicke bis zu einem Meter. Die weltliche Hauspartie dient heute als Stall und Scheune und der einstige Weinkeller ist Viehstall. In der Scheune ist noch das derzeit vermauerte Portal ersichtlich, das gegen Westen zur einstigen Kapelle führte. – Auf dem Geländer der Stiege zur heutigen Hauseingang befindet sich die Jahrzahl 1849 angebracht. Der vormalige Haupteingang in das Schlösschen scheint sich an der Nordseite befunden zu haben, auf der in einem späteren Zeitpunkt angebaut wurde.

 

In einiger Entfernung südwestlich vom Rönsberghof erhebt sich auf freiem Felde eine rote Marmorsäule mit dem Steinbild des hl. Johannes von Nepomuk und einer Kartusche, auf der das Kirchengebet zu diesem Heiligen eingemeißelt ist. Außer der Jahrzahl 1736 ist an der Säule noch ein Allianzwappen mit diesen Figurenbildern zu sehen: Einhorn mit drei seitwärts stehenden Bäumen; ein Mann mit einem Hammer in der Rechten. Die Zugehörigkeit dieser Wappenbilder konnte bislang noch nicht festgestellt werden.